Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen ein gutes und gesegnetes neues Jahr!

Zum 1. Advent beginnt ein neues Kirchenjahr, dessen Beginn ich gerne mit Ihnen feiern möchte.

Nicht mit leuchtenden Raketen, nicht mit Lärm, Getöse und Alkohol, nicht mit guten Vorsätzen und den Fragen danach, was das Jahr wohl bringen mag – sondern mit einem Gottesdienst. Das neue Kirchenjahr beginnt still und ruhig, Glocken laden zum Gottesdienst ein, am Adventskranz brennt nur eine Kerze, an Altar und Kanzel hängen die violetten Paramente. Das neue Kirchenjahr beginnt nicht mit einem rauschenden Fest, sondern mit einer stillen Zeit, mit einer nachdenklichen Zeit – und mit einer großen Hoffnung:

Freue dich sehr, du Tochter Zion, und jauchze, du Tochter Jerusalem! Siehe dein König kommt zu dir,
ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. (Sach 9, 9)

Gerade eine Woche ist es her, da haben wir am Ewigkeitssonntag der Verstorbenen gedacht, uns an unsere eigene Vergänglichkeit erinnert und uns mit der Verheißung der neuen Schöpfung Gottes trösten lassen. Jetzt, zum 1. Advent, beginnt die Heilsgeschichte wieder von vorne. Wir hören die Verheißung des neuen Königs und bereiten uns voller Freude darauf vor, ihm an Weihnachten zu begegnen. Aber dieser König, der da kommt, der wird nicht sofort als König erkannt. Wir müssen schon zweimal hinschauen: Dieser König ist einer, dem geholfen wird. Einer, eben gerade nicht stark und mächtig, nicht mächtig im Streit. Dieser König ist einer, der weiß, dass er auf einen anderen angewiesen ist. Einer, der sich helfen lassen kann und muss. Und zugleich einer, der diese Hilfe auch erfährt. Er ist gerecht, ein Helfer wert. Ein König, der nicht streitbar ist, nicht als Herr Zebaoth, Herr der Heerscharen, auftritt und einreitet, so ein König braucht einen Esel. Kein Kriegskönig also, sondern ein Friedenskönig. Das ist die unglaubliche Botschaft von Weihnachten. Wollen wir ihn in dem Kind in der Krippe erkennen, müssen wir uns vorbereiten und uns die Verheißungen immer wieder neu sagen lassen.

Jetzt, am 1. Advent, haben wir neu die Möglichkeit mit unserem Glauben und unseren Zweifeln zu dem Kind in der Krippe zu kommen und als Christenmensch mit ihm zu wachsen. Er fängt klein an, er kommt zuerst einmal zu jedem und jeder einzelnen von uns. Schafft sich Raum in unserem Herz.

Zumindest unsere Lieder wissen davon:
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, eu’r Herz zum Tempel zubereit‘. Komm, o mein Heiland
Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. (EG 1,4+5)

Und durch uns einzelne Menschen hindurch, da wirkt er auch in die Welt hinein, spricht sein Wort, das Frieden gebietet. Das könnte eine Adventsübung sein: Ihn immer wieder darum bitten: Bitten, dass er sich und seinem Frieden Raum schafft, in uns und durch uns; Bitten, dass wir seine Liebe empfangen mögen und sie an andere weitergeben können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes und gesegnetes neues Jahr und eine besinnliche und stärkende Advents- und Weihnachtzeit.

Ihr Pfarrer
Tobias Völger